00:00:00: Diese Erde, das ist so ein krass besonderer Ort.
00:00:06: Was sehen wir wenn wir von ganz weit oben auf uns selbst blicken?
00:00:11: Mit maximaler Distanz aus vierhundert Kilometern Höhe sehen wir dann Grenzen Krisen Streit oder entdecken wir neue ermutigende Perspektiven auf die Dinge?
00:00:24: was lernen wir aus der Raumfahrt dass uns hier unten auf der Erde voranbringen kann?
00:00:30: Darum geht es in der heutigen Folge von vorangedacht dem Mutmacher Podcast von t-online.
00:00:36: Mein Name ist Florian Harms und ich spreche hier mit Menschen, die mit Ideen und Kompetenz Zuversicht und Tatkraft außergewöhnliches vollbringen und somit helfen das Land voranzubringen.
00:00:46: Hier geht es darum wie man Dinge zum Laufen bringt – und nicht uns klagen!
00:00:52: Mein heutiger Gast ist einer von ganz wenigen Bundesbürgern, die unseren Planeten tatsächlich schon aus großer Distanz gesehen haben.
00:00:59: insgesamt Dreihundert, dreiundsechzig Tage hat er an Bord der internationalen Raumstation ISS verbracht.
00:01:06: Heute leitet er am Europäischen Astronautenzentrum in Köln die Abteilung Astronaut Operations gilt als einer der Favoriten für den ersten deutschen Flug zum Mond.
00:01:16: Herzlich willkommen Alexander
00:01:18: Gerst!
00:01:21: Ja vielen Dank für die Einladung.
00:01:22: hallo
00:01:23: sehr gerne.
00:01:23: wir haben gesagt Wir sind beim Du.
00:01:25: ich habe dich vorhin gefragt und Ich hab das deshalb gemacht weil ich aus einer ähnlichen Gegend komme wie du.
00:01:30: In Künzelsau.
00:01:31: bist du geboren, gell?
00:01:32: Ganz genau.
00:01:33: Kannst du
00:01:33: noch ein bisschen streibisch?
00:01:35: Das ist ja Hohenloch.
00:01:36: Das ist Hohlenloch, stimmt genau.
00:01:38: Aber es klingt
00:01:39: sehr ähnlich.
00:01:42: Jetzt wohnst du aber in Köln und wenn du in Kologne unterwegs bist dann fliegt glaube ich schon manchmal noch da oben die ISS über die Stadt oder guckst du dann manchmal noch hoch
00:01:52: Absolut!
00:01:53: Also ich finde das nach wie vor faszinierend, dass wir einfach von unten mal so eine Raumstation sehen können.
00:01:59: So ein kleiner weißer Punkt der über den Himmel zieht und dann da Leute drin sind.
00:02:03: bei mir noch mit dem ja noch schöneren mit der noch schönen Situation, dass da Freunde von mir drin sind gerade in dem Moment.
00:02:10: jetzt fliegt meine gute Kolleginnen und Kollegen Sophie Adeno in der Raumstation vielen weiteren NASA-Freunden an Bord und mich gestern mit denen schon unterhalten, Kriegabend zu.
00:02:26: eine Nachricht von denen.
00:02:27: Das macht es natürlich nochmal spezieller wenn man da hoch schaut aber auch so generell einfach die Idee dass man in den Weltraum schauen kann und da oben Menschen sieht.
00:02:38: Also wie kann man dieses Gefühl überschreiben?
00:02:41: nach Italien schaue oder Italien irgendwo sehe im Fernsehen, dann kriege ich so richtig warme Gefühle ums Herz.
00:02:48: Geht es dir so wenn du quasi nach oben in den Weltraum schauest?
00:02:50: Ist das wie ein Stück Heimat da oben für dich?
00:02:53: Ja, ein bisschen schon.
00:02:55: interessanterweise finde ich dass wenn ich in Köln bin und da hochschau gar nicht so dramatisch weil ich's da irgendwie gewohnt bin.
00:03:02: In Kölner ist ja das europäische Astronautenzentrum.
00:03:05: Das hat viel mit dem Thema zu tun.
00:03:07: Aber wo mich das noch viel mehr berührt ist, wenn ich irgendwie unterwegs bin im Urlaub bin oder sonstwo.
00:03:14: Ich bin vor einigen Jahren mal mit der transdibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking gefahren und in der Mitte der Wüste Gobi habe ich nachts zufällig die ISS gesehen Und wir waren wirklich irgendwo im Nichts.
00:03:34: die ISS zu sehen, das fand ich dann nochmal ein Stückchen krasser einfach.
00:03:38: Weil man irgendwie soweit weg ist von jeglicher Zivilisation und da oben plötzlich diesen Punkt vorbeifliegen sieht den ich so gut kenne.
00:03:47: Das ist ein Stück Heimat für mich.
00:03:49: Ich habe da einen Ja verbracht.
00:03:50: Und ja...das hat mich noch mehr berührt als wenn ich es jetzt von hier aus sehe.
00:03:56: Hast du eigentlich irgendwas von da oben mitgebracht?
00:03:58: Also steht bei dir zuhause ein Gegenstand rum aus der ISS.
00:04:02: Ja, also stehen einige Sachen da die ich aber selbst mitgebracht habe.
00:04:06: Das war eine der Dinge die ich mir selbst vorgenommen hab dass ich dieses fantastische Labor da um das ja irgendwie die fantastisch komplexeste wertvollste Maschine die Menschheit je gebaut hat.
00:04:19: Da hatte ich mir vorgenommen, vor allem als Commander meine Verantwortung da wahrzunehmen und die in einem besseren Zustand zu hinterlassen mindestens.
00:04:28: Als ich sie vorgefunden habe.
00:04:29: das heißt ich hab da jetzt keine Sachen abgeschraubt mit nach Hause genommen.
00:04:34: aber natürlich als Astronaut fliegt man ja da hoch und bringt ein paar Sachen mit und die habe ich auch wieder mit zurückgenommen.
00:04:39: Ich habe zum Beispiel den Handschuhen meines Raumanzugs noch und das sind so Dinge die mich ab und zu daran erinnern.
00:04:47: Die meisten Sachen habe ich an Museen rausgegeben, aber ein zwei kleinere Sachen hab' ich dann doch behalten soll als kleine Erinnerung.
00:04:54: Schauen wir einmal wie du überhaupt in die Lage gekommen bist da oben hochzukommen?
00:04:58: Ich hab noch mal nachgeschaut, ich glaube im Jahr two-thausend acht.
00:05:01: Da war es so einer von achttausend vierhundertdreizehn Menschen, die sich bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA als Astronaut beworben haben also statistisch eine ziemlich geringe
00:05:10: Chance.
00:05:12: Was hat dir damals Mut gemacht dich trotzdem zu bewerben und das zu versuchen, zu versuchen bis es klappt?
00:05:19: Das war eigentlich ganz einfach.
00:05:20: Ich brauchte da gar keinen Mut für.
00:05:21: ich habe mich nicht beworben weil ich dachte ich kann das und ich ziehe das jetzt durch und ich werde bestimmt Astronaut oder ehrlich gesagt ich bin gar nicht davon ausgegangen dass sich astronaut werden würde trotz der Bewerbung also.
00:05:33: außerdem dachte ich ohnehin dass gar nicht drauf hat, was man dafür braucht.
00:05:38: Ich habe mich beworben weil das schon immer ein Traum von mir war seit ich ein kleiner Junge war und ich mir irgendwie immer vorgenommen hatte, dass sich einmal das auch irgendwie versuchen muss.
00:05:48: dann also ich hatte so den neunzigjährigen Alex im Kopf der irgendwo in seinem Lähnstuhl sitzt und auf seinen Leben zurückschaut und sich überlegt was er richtig und was er falsch gemacht hat ... die man versucht und wo man scheitert, ich glaube... ...die hätte ich nie bereut.
00:06:07: Was sich aber mit Sicherheit bereuen würde ist wenn ich es nicht versucht hätte,... ...wenn ich dem Traum nicht mal eine Chance gegeben hätte.
00:06:14: Und deswegen hatte ich das immer so ein bisschen aufm Zettel.
00:06:17: Das war schon so ein starker Wunsch, dass ich mir vorgenommen hatte,... ...dass ich alle großen Entscheidungen im Leben danach überprüfe ob mich die von diesem Ziel eventuell wegbringen.
00:06:30: Ansonsten, wenn ich dann ... waren diese Entscheidungen im Prinzip alle okay.
00:06:34: Also das heißt, als ich angefangen habe ... ... Geophysik zu studieren dann hab' ich das gemacht weil ich das wollte, ... ... weil mir das Spaß gemacht hat.
00:06:40: Ich wollte Wissenschaftler werden, ... Wölkerne-Loge wären ... ... hatte ich mir dabei überlegt ok kann ich da immer noch Astronaut werden?
00:06:46: Wenn ich das mach ja geht... Okay alles klar!
00:06:48: Dann habe ich das wieder vergessen und habe dann irgendwann ... ... ich hatte eine Astronautin in der Antarktis getroffen bei einer ... ... bei einer Expedition in den NASA Astronauten die mich auch noch ermutigte ... ... die gesagt hat ja probiert er es auf jeden Fall mal.
00:07:02: Und da habe ich an die ESA geschrieben, haben wir gesagt so ja im Moment suchen wir keine Astronauten.
00:07:07: Aber melde dich doch nochmal wenn das Kolumbus Labor im Orbit ist.
00:07:12: und dann war aber klar dass wird noch Jahre dauern.
00:07:14: Dann hab' ich meinen Web Browser so programmiert... ...dass er mir eine E-Mail schreibt, wenn sich die Bewerbungszeite der ESA verändert.
00:07:23: Also einen Alarm quasi?
00:07:25: Ja genau!
00:07:25: Und da ist jahrelang gar nichts passiert.
00:07:27: Und dann in den Jahr zwei tausend acht plötzlich war das soweit ... und da habe ich auch von ganz vielen Freunden plötzlich gehört, so hey du musst dich da bewerben.
00:07:34: Du musst sich da be werben und ich so ach ja also mache ihn natürlich aber jetzt... Ja also macht euch da jetzt keine Hoffnung.
00:07:42: Also das ich bewerte mich einfach nur weil ich das für mich probieren möchte.
00:07:47: Und hab dann meine Bewerbung abgegeben und dann eine ganze Weile lang nix gehört.
00:07:52: Ich bin eigentlich davon ausgegangen dass es sich auch nicht genommen wäre.
00:07:55: Ich habe dann auch schon einen Postdoc in Alaska ... im Prinzip klargemacht als Volkanologe dort zu arbeiten, da ich mich auch drauf gefreut.
00:08:02: Ich dachte okay jetzt warte ich bis... ...dann rausfliegt bei der ESA und macht dann weiter und dann ging es aber immer weiter.
00:08:09: plötzlich bin ich eingeladen worden Schritt für Schritt in die nächste Runde.
00:08:15: Ich konnte mir gar nicht vorstellen dass sich das alles immer bestanden hat,... ...aber irgendwie gings und dann tatsächlich am Schluss war's so da war ich auf einer Vulkan Expedition in Vanuatu mitten im Urwald ... durch ganz abgelegenen Gebiet.
00:08:30: Manuatu,
00:08:30: das ist ... ...
00:08:31: ja in der ... ...
00:08:32: Pazifik
00:08:33: näher?
00:08:33: Ja genau so ein bisschen nördlich von ... ... Neuseeland, ganz weit draußen im Meer da... ... gibt's aber viele Vulkaner die man erforschen kann und ... ... von denen man gut lernen kann wie man ... ... vulkanisch allgemein auch ein bisschen besser vorher sagen kann.
00:08:49: Und daher waren wir so abgeschrieben dass ich nur einen ... ... Satellitentelefon dabei warne, dann hatte ich ... ... der ESA, die hat nach Kontaktdaten gefragt habe ich gesagt so ... ... falls ihr mich erreichen müsst, hier ist die Nummer.
00:09:01: Und irgendwann habe ich dann... ... das mache ich nur einmal am Tag angemacht und habe gesehen da war eine Nachricht von der ESA drauf,... ... die mich dann wieder in eine Runde weiter eingeladen hat.
00:09:10: Da ist es mir langsam so gedämmert dass sich langsam in einen Bereichkombon nun auch wenige dabei waren... ... und plötzlich hat das eine ganz andere Form angenommen.
00:09:21: Also da war ich dann gezwungen wirklich ernst zu nehmen.
00:09:27: Da ist es mir zum ersten mal so gedämmert, du hättest vielleicht eine Chance hier.
00:09:34: Und da ist
00:09:35: dein
00:09:35: Gruselig geworden!
00:09:37: Ja weil
00:09:39: bis dahin konnte ich das ja komplett entspannt sehen.
00:09:41: Bis dahin war jeder allen Bewerbungsrunden da und ich habe nicht versucht mich zu verstellen.
00:09:47: Ich hab nicht versucht irgendwie besser dazustehen, weil ich mir gedacht habe... Wenn ich dann rausfliege, bin ich ja von ausgegangen.
00:09:54: Dann ist es besser wenn ich von mir sagen kann, ich war ganz offen wie ein Buch und die ESA hat halt entschieden sie brauchen so jemanden wie mich nicht.
00:10:01: Ich bin vielleicht nicht gut genug Und dann ist das gar kein Problem.
00:10:04: Wenn ich mich jetzt verstellt hätte, dann müsste ich mich hinterher fragen Ja lagst du vielleicht daran dass ich irgendwie mich verstellt habe?
00:10:11: Okay und dann wuchs aber die Anspannung
00:10:13: Ganz zum Schluss dann schon als da nur noch zehn Leute da waren, dann wusste ich okay Wenn ich jetzt irgendwie rausfliege, wenn ich es jetzt irgendwie verbocke dann ist das nicht mehr so einfach.
00:10:24: Da kann ich nicht mehr sagen ah ja hat halt nicht geklappt sondern dann warst du ganz knapp vor dem Ziel und da war's schon ein bisschen schwieriger.
00:10:34: Es hat aber geklappt.
00:10:36: die Phase war relativ kurz und dann habe ich tatsächlich irgendwann von der ESA den Anruf bekommen.
00:10:41: also gerade in meinem Büro saß in Hamburg an meiner Dissertation geschrieben habe und eigentlich wollte ich grad schwimmen gehen.
00:10:48: Und hinterher mit einem Freund mich treffen, und da ich den Anruf bekommen von der ESA, die gesagt haben ja Herr Gersp möchten sie Astronaut werden.
00:10:57: Ja
00:10:58: und dann?
00:10:59: Was hast du gesagt?
00:11:01: Ja!
00:11:01: Dann bin ich Schwimm gegangen.
00:11:04: Fröhlich geschwungen.
00:11:05: Ja, tatsächlich.
00:11:06: Da hatte ich so viel Energie und das musste erst mal los.
00:11:09: Aber was brauchst du dafür?
00:11:11: Du musst natürlich körperlich fit sein.
00:11:13: Du musst da oben wahrscheinlich ziemlich schnell sein.
00:11:15: Man muss natürlich wissenschaftliche Dinge verstehen können.
00:11:18: aber gibt es noch irgendwas worauf die ESA dann genau schaut?
00:11:20: hat der das und die anderen neuen haben es nicht?
00:11:22: Ja, da gibt's natürlich viele Kriterien.
00:11:25: Am Schluss ist es dann auch ein bisschen... Wahrscheinlich wird es eher persönlicher weil man dann wirklich sympathie kann natürlich auch sein, am Schluss hat man Interviews mit einer kleinen Delegation.
00:11:39: Auch der Generaldirektor ist damit dabei erzählt das vielleicht schon auch mit Rhein.
00:11:43: Am Anfang hat man aber dann schon auch viel objektivere Tests.
00:11:47: also man ist zum Beispiel in Hamburg beim DLR macht kognitive Tests ganz taglang so Merktest, Rechentests alles mögliche.
00:11:56: da wird ... getestet, ob man in allen Bereichen einigermaßen gut ist.
00:12:00: Also das ist nicht wichtig dass man irgendwie spitze is in allem... Sondern es ist viel wichtiger, dass man nicht eine große Schwäche hat und wenn man in die allen Bereiche ungefähr durchschnitt ist dann hat man eigentlich schon den besten.
00:12:12: Du
00:12:12: kannst mir nicht erzählen, dass du durchschnitt bist.
00:12:15: Na, in vielen Bereichen.
00:12:16: Geordener
00:12:17: Durchschnitt?
00:12:19: Ehrlich gesagt ich habe mir das auch nicht mehr so genau angeschaut.
00:12:21: aber tatsächlich geht's nicht darum, dass Man jetzt besonders schnell rechnen kann sondern man darf halt nicht besonders Langsam nur rechnen.
00:12:28: Dann würde ich schon mal ausschalten.
00:12:32: und dann gibt es noch so psychologische Tests, da wird eher darauf geschaut wie man mit anderen zusammenarbeitet im Team.
00:12:38: Eine wichtige, ein wichtig Getreum ist dass man durch seine Karriere vorher auch gezeigt hat das man mit ja bisschen gefährlichen Situationen schwierigen Situationen gut umgehen kann, dass man die Nerven behält.
00:12:53: So was ist natürlich schwierig zu testen in einem Assessment Center und deswegen wird da noch ein bisschen mehr auf die Biografie geschaut.
00:13:00: Da hat schon geräuft, dass ich oft in der Antarktis war oder auf vulkanenaktiven Vulkanen geforscht habe wo die ESA natürlich davon ausgehen konnte das wenn ich das ein paar mal gemacht hab dass sich dann auch einigermaßen entspannt bleibt wenn so einen Vulkan ausbricht.
00:13:17: Also ich nehme jetzt aber mit Mindestens zu diesem Zeitpunkt, wo du sagtest dann waren es eigentlich nur noch zehn.
00:13:23: Hast du deinen Lebensweg gegangen oder bist den gegangen und du hast darauf verzichtet Dinge zu tun die dem großen Ziel widersprechen könnten?
00:13:30: Du hast jetzt aber nicht alles immer nur auf dieses Ziel einzahlen getan.
00:13:34: Ganz genau.
00:13:34: Das
00:13:34: ist ein
00:13:34: interessanten Gedanken.
00:13:36: Ja also was ich auch immer gemacht habe ist wenn ich eine Gelegenheit gesehen hab Zu irgendwas was mir Spaß gemacht hat bin ich da sofort drauf gespungen.
00:13:46: Also ich habe nie lang gezögert Wenn mich immer gefragt hat, hey willst du mit in die Antarktis fahren zu so einer Expedition?
00:13:53: Also ich habe sofort ja gesagt.
00:13:54: Ich hab da nie lang überlegt und das hat mir natürlich auch immer geholfen dann diesem Traum ein Stückchen näherzukommen.
00:14:01: nicht mit Absicht sondern das war tatsächlich so.
00:14:04: im Nachhinein kann man ja immer irgendwie die Zahlen verbinden und dann eher gibt es ein tolles Muster.
00:14:08: aber in dem Moment waren wir das nie so ganz klar.
00:14:11: Aber auf jeden Fall Mir würde es immer Spaß machen rauszugehen, das Unbekannte zu erforschen in schwierige Umgebungen.
00:14:21: Das hat mir immer Spaß gemacht und deswegen war's für mich klar wenn ich die Chance bekommen würde im Weltraum zu reisen, dass wäre natürlich das größte von allem.
00:14:29: Und das hast du dann gemacht?
00:14:30: Und gerade hast Du gesagt, dass auch drauf geschaut wird bei der Auswahl ob man mit schwierigen Situationen umgehen kann.
00:14:36: Du warst ja, ich glaube, zwei tausend achtzehnmal in so einer heiklichen Situation.
00:14:41: Wenn ich mich richtig erinnere gab es da ein Leck In der Hülle, glaube ich, der ISS und du hast dieses Lack dann repariert.
00:14:49: Ich glaub mit Harz oder Finger drauf gehalten?
00:14:52: Wie behält man die Ruhe in so einer Situation?
00:14:55: Also ich stelle mir das schon prekär vor wenn man da oben den Orbit fliegt und auf einmal ist ein Loch an der Raumstation.
00:15:01: Ja also wir hatten mehrere Situationen die so ein bisschen heikel war.
00:15:04: Das war vielleicht noch nicht mal die heikelste weil sie relativ langsam angefangen hat.
00:15:08: Es war ja nur ein kleines Lack.
00:15:10: war mit Klebstoff abgedichtet gewesen, der sich da irgendwie gelöst hat.
00:15:16: Und dadurch hat das ganz langsam angefangen.
00:15:18: also es hat viele Stunden gedauert bis wir das Loch gefunden haben.
00:15:24: deswegen weil das eigentlich nicht viel Druck entwichen war von den Raumstessungen bewussten.
00:15:28: aber auch die Raumstation hat soviel Luft dass sie das Loch füttern kann für mehrere Tage.
00:15:36: Das war natürlich schon eine Situation Nicht ganz unheikel war, aber ich würde nicht sagen dass das so in dem Moment zwar jetzt nicht so ein Adrenalin-Moment.
00:15:47: Also ehrlich gesagt gab es da andere Situationen... Welche?
00:15:50: Wir hatten Feueralarm ab und zu mal.
00:15:53: nichts Kritisches, nichts Großes, aber das weiß man am Anfang nicht.
00:15:57: wenn jetzt irgendwann nachts um zwei der Feueralarmen losgeht auf der Raumstation dann weiß man erst mal nicht, ob das vielleicht wirklich gerade sehr kritisch ist oder ob es nur ein Fehlalarm ist.
00:16:09: Das passiert auch manchmal.
00:16:10: Oder wir hatten dann so eine Heizspule vom Wassererhitzungsgerät die durchgebrannt war.
00:16:14: da kam so ne Raufforge raus und die hat dann einen Feueralarm ausgelöst.
00:16:18: Wie behältst
00:16:19: du dir Ruhe in solchen Situationen?
00:16:21: Ich weiß nicht.
00:16:22: ich glaube dass es zum Teil... Vielleicht ist es ein Teil von mir ... eher analytisch bin.
00:16:30: Das heißt, ich warte erst mal und versuche mal rauszufinden was denn so die Situation ist... ...und zum anderen natürlich auch ein bisschen antrainiert über das Leben hinweg.
00:16:37: Ich war früher in der Feuerwehr zum Beispiel.
00:16:39: Jugendfeuerwehr?
00:16:39: Was du glaube ich sogar?
00:16:40: Ja das auch genau.
00:16:41: Und dann später mit der freiwilligen Feuerwehr oder ich war Rettungsschwimmer beim Dealer G. Da sind alles so Situationen wo man sich vorher schon damit vertraut macht mit dem Gedanken dass man vielleicht schnell reagieren muss weil irgendwas passiert.
00:16:58: Das kann man jetzt noch nicht genau woher sehen, wenn es noch nicht passiert ist.
00:17:02: Aber man weiß ungefähr in welchem Bereich das liegen könnte.
00:17:06: Man ist quasi darauf vorbereitet auch wenn man nicht konkret jetzt drauf vorbereitet ist.
00:17:12: und so ist es eben auch als Astronaut.
00:17:14: wir trainieren ja alles mögliche überlegen muss vorher was alle schiefgehen können.
00:17:18: Wir haben die die tollsten pessimisten im team die sich alles möglich überlegen was kaputt gehen kann.
00:17:23: Und dann trainieren wir das einmal zweimal dreimal hundert mal.
00:17:27: Und irgendwann realisiert man, dass man eigentlich für die allermeisten Sachen auch im Plan B hat.
00:17:34: Das verinnerlicht man.
00:17:36: Man hat Prozeduren.
00:17:37: Man lernt mal von den Prozeden abzuweichen wenn es notwendig ist und irgendwann hat man dann so ein Gefühl okay das kriegen wir eigentlich hin.
00:17:45: also wenn jetzt nichts wirklich katastrophales passiert... Dann kriegen wir das hin.
00:17:49: und wenn was katastrofales passiert kann man eh nix mehr machen.
00:17:52: ... sich mit den Gedanken mal so angetan, ja... ... daran gewöhnt hat.
00:18:01: Dann ist es nicht mehr so kritisch und ich... So vermeidet man dann ja auch Angst.
00:18:05: Der Angst ist ja so ein Gefühl,... ... dass jeder Mensch hat in der Situation, in der man... ... das Gefühl hat die Kontrolle zu verlieren oder... ... wenn man seine Erhandlungsfreiheit stark eingeschränkt zieht,... ...dann kommt so einen Gefühl auf und da sind auch wir... ... Astronautinnen und AstronautInnen nicht davor gefeit.
00:18:21: Aber durch dieses Training... kann man eben diesen Bereich vergrößern, in dem man noch Handlungsoptionen sieht und dann hat man keine Angst.
00:18:30: Würdest du sagen dieses Prinzip das man sich auf kritische Situation vorbereitet könnte man auch im größeren Maßstab trainieren?
00:18:39: Ich sage dir was ich damit meine.
00:18:40: ich habe häufig den Eindruck dass gegenwärtig viele Menschen verunsichert sind in Deutschland dass sie Angst haben wegen des Krieges in der Ukraine, des Konflikts am persischen Golf Klimakrise und viele mehr.
00:18:54: Und dass sie aber nicht richtig ins Handeln kommen, sondern dass Sie eher in sich zurückziehen, dass sie erstarren und vielleicht gar nicht richtig was tun können obwohl sie es eigentlich könnten.
00:19:05: wäre das quasi was du gerade geschildert hast aus dem Training von Astronauten auch etwas wo man als Gesellschaft stärker drauf gehen könnte, dass man sich auf Krisensituationen gezielt vorbereitet und sie immer wieder durch spielt damit man im entscheidenden Moment gewusstet ist?
00:19:21: Ja, ich denke schon.
00:19:22: Also generell ist es ja immer so gut wenn man seine Optionen kennt und dazu gehört auch dass man in diesem Dickicht von Informationen das rausfiltert was relevantes für einen und ich glaube das tatsächlich auch etwas was man als Astronaut irgendwann gut kann weil man ständig muss ist das Filtern von ganz vielen Informationen mit denen man konfrontiert ist um dann die zu gewinnen die wirklich relevant sind für diese Situation.
00:19:51: Da gehört zum Beispiel auch dazu, dass sich Sachen die ich nicht ändern kann.
00:19:57: In dem Moment erst mal beiseite schiebe.
00:19:59: da verbringe ich mich viel Gedanken mit drauf weil jetzt in einer konkreten Situation muss ich mir überlegen was kann ich denn tun?
00:20:05: und dafür muss ich erst immer erkennen was sind Dinge die halt so sind wie sie sind?
00:20:10: da kann ich jetzt nichts tun und wo habe ich eine Möglichkeit einzugreifen um etwas zu verändern?
00:20:16: Und dann ist es sehr viel einfacher zu sehen tun kann, was die Konsequenzen von den verschiedenen Optionen sind und die Risiken und Vorteile sind.
00:20:27: Das ist im Prinzip so eine Entscheidungsfindung, Matrix, die man auch als Pilot oder Pilotin anwendet wo man sich erstmal die Fakten, die Optionen, die Risken anschaut dann der Entscheidung macht das die dann durchführt und die dann überprüft.
00:20:45: Das lernt man so als Astronaut, als Astronautein und als Pilotin.
00:20:49: Und das hilft mir tatsächlich.
00:20:53: Manchmal meine Familie ist ein bisschen wahnsinnig...
00:20:56: Weil du zu rational bist in emotionalen Situationen?
00:20:59: Genau!
00:21:00: In Situationen versucht es anzuwenden, dass auch total hilft.
00:21:04: Du würdest aber sagen, man kann das trainieren.
00:21:06: also hat man nicht oder man hat's nicht sondern man kann es trainieren.
00:21:09: Definitiv!
00:21:10: Ich gehe davon aus, dass man alles trainieren kann und dann das irgendwann auch abfärbt in die Persönlichkeit.
00:21:17: Das ist tatsächlich so, ich habe so einen operationellen Modus den kann ich anschalten oder abschalten.
00:21:24: manchmal passiert es auch selbstständig.
00:21:26: wenn wenn ich jetzt in irgendeiner Situation bin die irgendwie kritisch bin dann schalte ich da oben und das merkt meine Familie meine Freunde auch.
00:21:35: also
00:21:35: du fährst nie aus der Haut
00:21:38: Selten, würde ich mal sagen.
00:21:39: Ich wüsste nicht wann.
00:21:41: Passiert es eigentlich einmal im Weltraum auf der ISS?
00:21:44: Dass es da auch mal Konflikte zwischen Astronauten gibt die alle so rational gepolt sind?
00:21:49: Ja eher selten würde ich sagen.
00:21:51: weil erstens Teil dieser Auswahl ist dass man Leute aussucht die Konflikte konstruktiv lösen er wohlwollend daran gehen mit den anderen auch Empathie haben sich in die anderen Reihen denken.
00:22:06: Das ist erst schon mal eine große Voraussetzung, dass man zwar einen Konflikt haben kann.
00:22:11: Jetzt wenn es darum geht, das man vielleicht den gleichen Ort ausgewählt hat wie der andere wo man seine Zahnbürste hinhängen will und man sich einigen muss...
00:22:19: Dann streitet man sich über die Zahnwürste?
00:22:20: Ja eben
00:22:21: nicht!
00:22:22: Man streitet nichts, sondern man hat vielleicht eine Situation in potenziellen Konflik darstellen könnte.
00:22:27: Und dann, wie sich das dann entwickelt, das hängt davon ab, wie man da rangeht Wie konstruktiv, wie wohlwollend man rangeht, ob man sich an anderen rein denkt.
00:22:35: Und natürlich, wenn wir in den Weltraum fliegen.
00:22:37: Wir treffen uns ja nicht zum ersten Mal auf der Raufstation sondern wir kennen einander von vielen Jahren Training und man weiß natürlich wie der Ander so tickt und was wie man denn helfen kann oder was der anderen Person wichtig ist.
00:22:50: also man kann dann einschätzen der stellt gerne seine zahlen bürstern den ort dann lass ich ihn mal genau
00:22:54: Ja und und und dann Gibt es eigentlich gar keinen Grund, warum man sich streiten sollte?
00:22:59: Weil man die meisten Sachen auch ohne Streit lösen kann.
00:23:02: Also ich wüsste nicht welche Situation zwingend in einen schlimmen Streit enden müsste.
00:23:08: Kann ich mir nicht vorstellen dass es kein anderen Weg gibt und wenn man da positiv genug rangeht dann klappt das.
00:23:16: Und deswegen auf der Raumstation ich kann mich jetzt an keinen Streit erinnern ehrlich gesagt.
00:23:20: Ich hatte vielleicht auch viel Glück mit meinen Kuhkameraden und Kameradinnen mit denen bin ich immer noch gut befreundet.
00:23:26: Aber ich denke auch, dass bei den anderen Crews da jetzt nicht irgendwie viel schief geht.
00:23:32: Welche Rolle spielt Humor?
00:23:34: Sehr viele natürlich!
00:23:38: Das ist bei mir sowieso Teil meiner Persönlichkeit und zum Glück auch Teil der meiner Crewkameraden und Kameradinnen gewesen.
00:23:46: also das macht das Leben sehr viel leichter.
00:23:49: natürlich
00:23:50: Viele Astronauten haben beschrieben, als sie dann zum ersten Mal die Erde von oben aus dem Orbit gesehen haben.
00:23:56: Dann ist etwas in ihnen passiert!
00:23:58: Dann hat das irgendwie ein bisschen Klick im Kopf gemacht und Sie haben noch stärker die Verantwortung für diesen Planeten empfunden und auch das dringende Gefühl diesem Planeten zu schützen.
00:24:08: Wie ging es dir damit?
00:24:09: Ja, das hört sich ein bisschen so an als ob was wäre, was zwingend passiert wenn man jetzt irgendwie im Weltraum ist.
00:24:16: Ich glaube dass es viel profaner, das ist eigentlich nur gesunder Menschenverstand.
00:24:20: Wenn man von außen sieht dann gibt es eine neue Perspektive.
00:24:27: Das ist nicht nur den Weltraum vorbehalten, das is eigentlich ganz normal.
00:24:31: Das kann man sich jetzt so vorstellen wie... Wenn wir jetzt, die wir hier in Berlin in einem Raum, in einem Haus sitzen oder die Leute, die zu Hause irgendwo zuhören stellen wir uns vor.
00:24:44: Wir wären nicht in der großen Stadt mit Millionen von Menschen sondern das Haus in dem wir uns gerade befinden mit unserer Familie und unseren Freunden, mit unseren Kollegen.
00:24:53: Das wäre plötzlich der einzige Ort den es gibt.
00:24:58: um uns rum ist tausend Kilometer Wüste sonst nichts Ab jetzt, mit einem Fingerschnipp.
00:25:07: Was würde das an unserem Handeln und Denken ändern?
00:25:12: Das kann sich jeder selbst überlegen.
00:25:14: ehrlich gesagt ich glaube dass ist eins zu eins übersetzt was Astronauten oder Astronautinnen erleben wenn sie die Erde verlassen und von außen dann plötzlich ihren Planeten sehen auf dem acht Milliarden Menschen leben Moment vielleicht zu dritt in irgendeiner Raumkapsel sind und realisieren, wir sind hier draußen zu drit.
00:25:36: Da unten leben alle Menschen die wir jemals in unserem Leben getroffen haben, alle Geschichten die jemal es passiert ist von den ersten Mikroben bis zu uns Menschen.
00:25:47: alles ist da auf diesem Planeten passiert und wir sind jetzt da weg davon.
00:25:50: Wir sind komplett draußen Und wir sehen denen umrundet von einer riesigen Wüste.
00:25:57: Die ist nicht nur tausend Kilometer groß sondern Wissen doch nicht mal, vielleicht unendlich groß und schwarz und leer.
00:26:06: Und dieser Ort den wir als so unendliche Groß gesehen haben, also aufgewachsen sind das ging mir ja auch so im kleinen Künstlis auch ich habe in Himmel geschaut der schien unendlichen.
00:26:16: alle Ressourcen auf diesem Planeten scheinen unendlicher.
00:26:20: plötzlich ist dieser Planet ziemlich klein im Angesicht der Unendlichkeit und man realisiert dass es sehr wenig Die Atmosphäre, die da drauf ist.
00:26:31: Die wirkt so dünn, dass man sie mit einem Hauch wegprüfen könnte.
00:26:35: Eine witzige Geschichte ist als ich mir das Video angeschaut habe... Wir hatten eine GoPro-Kamera in der Kapsel installiert gehabt und die lief während der ersten Momente, als wir im Weltraum geflogen sind.
00:26:45: Wir hatten natürlich viel zu tun in der Kapsel.
00:26:47: Irgendwann hab' ich aus dem Fester geschaut und dann zum ersten Mal die Erde gesehen.
00:26:51: Ich war der erste von uns drei und den anderen waren noch irgendwie beschäftigt mit irgendwelchen Prozeduren.
00:26:56: Ich habe rausgeschaut Ich beschreibe jetzt das Video, dass ich gesehen habe.
00:26:59: Weil ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr an diesen Moment erinnern.
00:27:03: Schau zurück zu meinen Kollegen und zeige raus aus dem Fenster... ...und mache mit meiner Hand die Bewegung von so einer
00:27:11: Kugel.".
00:27:12: Und ich hab' gesagt, die ist ja tatsächlich rund!
00:27:16: Und wusste natürlich sofort über den Lachen als Geophysiker.
00:27:25: Genau, ich kannte den Erddurchmesser auf den Kilometer genau.
00:27:28: Ich wusste genau wie dünn die Atmosphäre war.
00:27:30: aber als ich zum Mess mal gesehen hatte hat mich das trotzdem umgehauen und ich habe im Nachhinein verstanden... Das war der Übergang von Wissen zu verstehen!
00:27:41: Ich wuste es alles.
00:27:42: Ich wußte wie die Erde auch von außen aussieht.
00:27:44: Ich hab auch vorher schon auf Google Earth Bilder gesehen oder Satellitenbilder.
00:27:49: Habe ich alles gesehen?
00:27:50: Aber als ich dann mit meinen eigenen Augen gesehen habe, habe ich's verstanden Und ich glaube, das zeigt auch ein bisschen warum es so wichtig ist mit Menschen daraus zu fliegen.
00:28:00: Das ist eine andere Sache wenn man das mit eigenen Augen sieht.
00:28:03: oder als zweitbeste Sache, wenn man jemanden hört der das mit eigenem Augen gesehen hat und die das beschreiben kann.
00:28:12: So wie jetzt unsere Hörerinnen
00:28:13: und Hörern?
00:28:14: Genau!
00:28:15: Das macht einen Unterschied.
00:28:17: Aber nicht jeder kann diesen Podcast hören.
00:28:20: Es kann nicht jeder auf die ISS hochfliegen oder den Orbit fliegen weil du gerade gesagt hast, der Unterschied von Wissen zu verstehen.
00:28:27: Wenn wir noch mal auf die Verantwortung für diesen Globus schauen, diesen blauen Ball im Mitten des Schwarzen Weltraums und wir einfach wissen alle Daten zeigen das Wir müssen bei der Klimakrise stärker gegensteuern.
00:28:42: Du hast selber in einer Botschaft von der ISS das sehr klar benannt, dass eigentlich die nachfolgenden Generationen da einen Zustand hinterlassen bekommen, der ist nicht tragbar.
00:28:54: Wie können Deiner Ansicht nach mehr Menschen genau diesen Sprung machen vom rationalen Wissen wirklich zum Verstehen aus dem dann auch Handeln erwächst?
00:29:05: Ja das ist der Perspektivwechsel den ich gerne mitbringen würde.
00:29:07: ja aus dem Weltraum Wenn man auf einer Raumstation ist.
00:29:11: Das ist ein ähnliches Ding wie die Erde nur in kleiner.
00:29:15: Man kann die Erde als Raumschiff sehen.
00:29:17: Die zippt einmal im Jahr um die Sonne Bewegt sich mit, ich glaube, neunundzwanzig Kilometer pro Sekunde.
00:29:25: jetzt in diesem Moment.
00:29:26: Wir alle sind in diesen Moment hier im Weltraum.
00:29:29: Das muss man verstehen!
00:29:31: Wir sehen das nicht weil wir schauen uns jetzt hier oben im Studio.
00:29:36: Aber diese Erde ist so ein krass besonderer Ort.
00:29:42: Unsere ganze Zeit hier verbrachte.
00:29:43: es hat dies für uns normal geworden aber wenn man sich das Universum also im Ganzen anschaut ist die Erde ein ganz, ganz krass besonderer Ort.
00:29:52: Der ist komplett anders als das der ganze Rest vom Universum.
00:29:55: Du gehst
00:29:55: auch nicht davon aus dass es so was an einer anderen Stelle noch mal gibt da draus?
00:29:58: Weiß ich nicht.
00:30:00: Aber eher unwahrscheinlich.
00:30:02: Wissen wir nicht.
00:30:03: Das können wir gerne drüber unterhalten.
00:30:06: Eine sehr interessante Frage.
00:30:07: aber dieser Perspektivwechsel der ist wichtig also dass wir realisieren Auch wenn das hier nicht so aussieht.
00:30:14: Wir sind einem ganz besonderen Ort.
00:30:16: Wir sind auf diesem Raumschiff Und wenn ich es jetzt vergleiche mit der ISS, das ist das Gleiche.
00:30:21: Da haben wir ein Lebenserhaltungssystem.
00:30:22: Wir haben ein bisschen Wasser dabei und ein bisschen Luft dabei, ein bisschen Essen dabei.
00:30:26: Mit diesen Ressourcen müssen wir umgehen.
00:30:28: Wenn wir dort merken würden – und wir haben ja vorhin darüber gesprochen wie's ist, wenn da ein Leck im Raumschiff ist oder wenn das Wasser ausgeht oder der Treibstoff dann ist das relativ schnell ein riesiges Problem ... kein Mensch wieder auf die Idee kommen zu sagen, ja egal.
00:30:44: Da gehen wir einfach mal so weiter.
00:30:45: das ... ... ignorieren wir.
00:30:48: Auf der Erde haben wir leider das Problem ... Leider hat es wahrscheinlich auch einen Vorteil dass wenn wir ein Problem mit uns in Ressourcen haben... ...dass man das nicht so schnell merkt.
00:30:57: Das dauert lang genug, dass man es eventuell noch eine Weile ignorieren kann.
00:31:03: aber letztendlich ist das Problem genau dasselbe.
00:31:07: von außen ist es brutal Offensichtlich, dass alle Ressourcen die wir haben, die wir erreichen können das sind nur ganz wenige.
00:31:15: Sie kratzen ja nur die obersten paar Kilometer Erfschicht an.
00:31:20: Tiefere ressourcen kommen gar nicht.
00:31:22: Wenn die irgendwann mal aus sind dann sind sie aus.
00:31:26: Und das ist so offensichtlich das glaube ich das kann niemand ignorieren wenn er diese Perspektive mal verinnerlicht hat
00:31:34: Auch wenn es in erster Linie darum geht nachfolgende Generationen zu schützen, weil ich nehme auch das wahr.
00:31:39: Es gibt relativ viele Leute die sagen naja nach Medizinflut solange ich lebe wird's noch reichen und danach ist wurscht.
00:31:45: Ja gut solche Leute gibts vielleicht aber ehrlich gesagt das bestimmt nicht die Mehrheit.
00:31:48: Ich würde immer unterstellen dass die meisten Menschen Empathie haben mit ihren Kindern und Enkelkindern Und den eigentlich schon eine schöne Welt hinterlassen wollen.
00:32:00: Wenn das nicht so wäre, dann wäre alle Hoffnung verloren.
00:32:03: Aber da gehe ich nicht von aus.
00:32:04: Also die meisten Menschen, die ich treffe, sie möchten das.
00:32:09: Sie sehen das positiv und ich glaube wenn man denen eine Perspektive gibt, kann man das ein bisschen erleichtern mit der Entscheidungsfindung.
00:32:17: Es
00:32:17: dauert ja wahrscheinlich nicht mehr lang.
00:32:18: Dann wird der Mensch auf den Mond zurückkehren.
00:32:20: Ich glaub, im Dezember war das letzte Mal ein Astronaut oben auf dem Mond Und schon in dem Jahr ist es wieder so weit sein ... wirft ja schon die Frage auf, warum müssen wir denn da oben zurück?
00:32:33: Wir waren doch schon da.
00:32:35: Echt, das finde ich interessant weil für mich ist das eine ganz offensichtliche Sache.
00:32:40: Allein schon, weil er da ist, müsste man wieder hin.
00:32:42: Ja aber
00:32:42: der ist ja nix!
00:32:43: Nee, das stimmt überhaupt nicht.
00:32:45: Vielleicht hilft auch mal wieder ein Perspektivwechsel.
00:32:47: also und wir haben ja vorhin schon über den räumlichen Perspektivechsel gesprochen dem man aus der Raumfeld kriegt.
00:32:53: Man kann sich aber auch einen zeitlichen überlegen Also... Ich kenne noch einige Leute und zum Beispiel meine Eltern, meinen Großeltern die in der Zeit gelebt haben bevor ein Mensch jemals die Erde verlassen hat.
00:33:08: Die kommen aus einer Zeit in der noch alle Menschen, alle Menschen jemal auf diesen Planeten verbracht haben.
00:33:14: Also vor Juri Gagagen?
00:33:15: Genau!
00:33:16: Und wenn man dann das vergleicht, wenn wir in die Zukunft schauen immer waren er zehn tausend Jahre in der Zukunft.
00:33:21: ich hoffe wir Menschen existieren bis dahin noch.
00:33:23: Wir haben uns nicht selbst irgendwie vernichtet Und wir schauen zurück auf diese Zeit, die wir jetzt hier erleben.
00:33:29: Dann wird sie so signifikant sein wie der erste Fisch, der den Ozean verlassen hat um ein Landtier zu wählen.
00:33:37: Das ist eine riesige Sprung in der Menschheitsgeschichte, der stattfindet jetzt in diesem Moment, der nie wieder rückgängig gemacht wird.
00:33:46: Die Menschheit wird für immer den Weltraum erforschen.
00:33:50: Es wird
00:33:51: nie mehr aufhören.
00:33:52: Aber der Fisch, der das Meer verlässt um dann irgendwann an Land sich weiterzuentwickeln und irgendwann entstehen dann weitere Arten vielleicht sogar ein zwei Beiner daraus.
00:34:00: Ist es wirklich vergleichbar mit der Situation jetzt wieder auf den Mond zu gehen?
00:34:04: Das heißt du gehst davon aus dass wir irgendwann den Mond oder den Mars besiedeln?
00:34:08: Nee nee so nicht.
00:34:11: ist der Vergleich jetzt im Detail ja nicht genau das gleiche?
00:34:15: was ich sage ist dass wir Menschen plötzlich unseren Planeten verlassen um unsere Umgebung zu erforschen.
00:34:23: Wir können uns als Inselvolk sehen, die umgeben ist von einem großen Schwarzen Meer und wir tun gut daran dieses Meer zu erforschen.
00:34:33: Wir haben ein bisschen das Problem dass wir diesen Sprung in der Menschheitsgeschichte nicht sehen weil wir noch zu nah dran sind.
00:34:41: Das ist der erste Augenblick davon.
00:34:44: Das ist noch nicht so ganz klar für uns.
00:34:46: Es gab auch Zeiten vor Jahrzehnten, wo er noch nicht ganz klar war warum er überhaupt im Weltraum fliegen sollte und warum das nützlich ist.
00:34:52: Inzwischen stellt keiner mehr in Frage.
00:34:55: Die sind der Mitte einer jeden modernen Gesellschaft angekommen.
00:34:59: Allein schon wir beide bis wir hier heute morgen im Studio waren haben wir bestimmt hundertmal irgendwelche Weltrauben.
00:35:05: Anwendung verwehrt.
00:35:06: Zum Beispiel?
00:35:07: Das
00:35:08: hängt schon an mit Navigation, Kommunikation... Allein schon das Essen, dass wir zum Frühstück essen da der Farmer ziemlich wahrscheinlich Weltraumtechnologien für die Bestellungen der Felder benutzt und Geld abheben irgendwelche Kommunikations
00:35:27: Alles Technologien, die auf Entwicklungen aus der Weltraumforschung zurückgehen?
00:35:31: Ja genau.
00:35:32: Also das durchdringt die Gesellschaft.
00:35:34: Das ist klar dass das kritisch wichtig ist.
00:35:35: wir wären am Boden wenn es nicht geben würde und das wird auch nicht mehr in Frage gestellt.
00:35:42: Das heißt was mit uns ist und was wir erhalten müssen.
00:35:47: Das is aber noch so neu dass wir das noch gar nicht richtig verstanden haben wie wichtig das ist und dass das Omni präsent sein wird in der Zukunft.
00:35:56: Und jetzt mit dieser Möglichkeit im Weltraum rauszufliegen, ich glaube es lohnt sich den Mond so zu sehen wie ein achten unentdeckten Kontinent.
00:36:07: Der da draußen ist drei Tage Reisezeit entfernt und wenn man das vergleicht mit der Entdeckung der Antarktis vor hundert Jahren dann sieht man da interessante Parallelen.
00:36:15: Da war das auch so.
00:36:16: dann haben Leute gesagt Wir haben so eine ernstartige Situation, die dauert zwei Jahre.
00:36:21: Die ist gefährlich und teuer.
00:36:22: Da gibt es nur Eis.
00:36:23: Was wollen wir denn da?
00:36:24: Macht keinen Sinn!
00:36:25: So jetzt, hundert Jahre später, haben wir Forschungstationen übrigens auch eine deutsche, die ganz wertvolle Klimadaten aus dem Eis mit zurückbringt andere wichtige Daten wichtig für unsere Existenz als Menschheit.
00:36:39: Das stellt niemand mehr in Frage.
00:36:40: Da leben jetzt Forscherinnen und Forscher permanent.
00:36:43: das ist ganz normal geworden.
00:36:45: Aber dafür hat es eben diese erste Welle der Exploration gebraucht, in der Antarktis.
00:36:50: Da ging's erst mal darum Flagge aufzustellen das Rennen zum Südpol.
00:36:54: dann ist eine Weile lang nicht passiert und dann erst so in den fünftiger sechstiger Jahren Menschheit auf die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehört, die schon die ganze Zeit gesagt haben.
00:37:07: Wir müssen da hin nicht wegen der Flagge, sondern weil das extrem wichtig ist für uns.
00:37:11: Also haben wir jetzt angefangen nachdem wir auf die gehört haben Forschungsstationen zu bauen und dann wirklich nachhaltig dorthin zu gehen.
00:37:18: Und genau diese zweite Welle der Exploration sehen wir jetzt auf dem Mond.
00:37:23: Das heißt, jetzt geht es dahin nicht mehr nur wegen der Flagge.
00:37:25: Klar gibt im Prinzip auch noch ein Parallel dazu noch ein bisschen Wettrennen der Amerikaner mit China.
00:37:31: das hilft natürlich in die Richtung.
00:37:32: aber das ist nicht.
00:37:34: der Hauptgrund warum wir da hinwollen ist weil der Mond da ist und wir ihn erforschen müssen weil er wichtige Dinge für uns liefern wird die für unsere Sicherheit auch wichtig sind.
00:37:46: Kannst du es konkreter machen?
00:37:47: Was könnte das sein?
00:37:47: Ja, zum Beispiel... Die Menschheit wird permanent aus dem Weltraum bedroht von Gefahren wie Weltraumstrahlung, Sonnenstürme, Meteoriten also Asteroiden, die als Meteoritten dann auf der Erde runterfallen können.
00:38:00: Wir haben in Deutschland einen twenty-fünf Kilometer großen Meteoriteneinstagskrater, Nördlinger Ries.
00:38:05: Nicht so weit von da wo wir herkommen.
00:38:06: Genau!
00:38:07: Das ist geologisch gesehen erst gestern passiert.
00:38:09: Es wird auch wieder passieren Wir wissen aber nicht genau, mit welcher Wahrscheinlichkeit.
00:38:13: Wir haben es immer wieder gesehen in den letzten Jahren bei Celia Binsk, das war im Jahr hier ein Mini-Kleinermeterit eingetreten und explodiert.
00:38:23: Durch wirklich einen großen Zufall ist niemand getötet worden.
00:38:26: ganz viele Leute sind aber verletzt worden.
00:38:29: Immer wieder fliegen Brocken zwischen der Erde und dem Mond vorbei die wir erst im Nachhinein dann entdecken oder viel zu spät.
00:38:37: Das Risiko, das können wir nicht richtig quantifizieren weil auf der Erde diese Einflagsgrater nicht mehr richtig gut untersuchen können.
00:38:43: Die sind einfach durch Erosion ausgelöscht.
00:38:46: Auf dem Mond gibt es die gleichen Grater Der wird genauso oft getroffen und wenn man sich anschaut da sieht man ganz viele Grater.
00:38:53: Wenn wir die erforschen, wenn man zum Beispiel einen Altersprofil von denen erstellen kann wie viele Wannen da entstanden sind dann können wir das Risiko erstmal schon mal besser quantifizieren.
00:39:03: Das Risiko nicht nur dass der Mond getroffen wird sondern auch dass die Erde wiedergetroffen wird und dann von dort aus vom Mond aus können wir die besser sehen anfliegende Brocken als von der Erde aus.
00:39:11: und vielleicht können wir – und das forschen wir gerade auch – ein System installieren mit dem man so anfliegende Asteroiden so sanft aus der Bahn schubsen kann wenn man die früh genug erkennt.
00:39:20: geht das Dass die an der Erde... Gibt es
00:39:21: auch einen Hollywood-Film dann sogar zu so einem Thema?
00:39:23: Ja, natürlich.
00:39:24: Aber da sind wir ein bisschen übertrieben.
00:39:27: aber letztendlich das Problem ist da schon gut erfasst wenn uns so'n Brocken oben wieder drauf fällt.
00:39:32: also, ja, mit dem twenty-fünf Kilometer großer Krater kann man sich vorstellen passt ganz Berlin rein locker und Kann man sich vorstellen, was da passieren würde.
00:39:42: Also wir wollen ja nicht das erleben, was den Dinosauriern wieder fahren
00:39:44: ist?
00:39:45: Ja genau und deswegen müssen wir uns darum kümmern.
00:39:47: auch der Sonnenwind kann uns ganz schnell Satelliteninfrastruktur ausknipsen von denen wir abhängig sind.
00:39:57: Wir können unsere Elektrizitätsnetzwerke dann vielleicht nicht mehr benutzen die werden vielleicht überlastet dadurch.
00:40:05: Da müssen wir auch darauf vorbereitet sein, was von der Sonne auf uns zukommen kann.
00:40:09: Wir haben in den letzten Jahren Jahrzehnten Glück gehabt.
00:40:12: erst jetzt sind wir so vulnerabel empfindlich gegenüber dieser diesen Sonnenstürmen weil wir jetzt die Technologie haben, die dadurch beschädigt werden kann.
00:40:21: früher war das nicht so.
00:40:23: Im Mond Staub finden wir vielleicht eingefroren ein Archiv der letzten Jahr Milliarden von dieser Sonnenaktivität.
00:40:30: Spannend!
00:40:30: Ja, das heißt da können wir abschätzen was auf uns zukommen könnte auf was wir uns vorbereiten müssen.
00:40:35: also das sind ganz ganz konkrete Anwendungen die jetzt nicht mal nur wissenschaftlich wichtig sind sondern Die in unserem ganz ureigenen Interesse sind.
00:40:45: dann dazu kommen noch richtig spannende erweitere Themen.
00:40:47: wie sind wir allein im Universum.
00:40:50: Du hast es vor ein Jahr gefragt, ob ich das glaube?
00:40:53: Ich denke mir immer, ich bin Wissenschaftler und finde es gar nicht wichtig, ob oder nicht, sondern ich will die Daten haben, die vielleicht eine Schlussfolgerung erlauben.
00:41:02: Und wenn wir am Mond Südpol in die Gratereien gehen.
00:41:06: Da gibt es gefrorenes Wasser, das seit Jahrmilliarden aus dem Universum auf den Mond niederrieselt im Form von Kometen und Sonnenwind.
00:41:17: In diesem Wasser finden wir vielleicht Bruchstücke, Bausteine von ursprünglichem Leben.
00:41:23: Vielleicht können wir dadurch lernen wie das Leben überhaupt auf die Erde gekommen ist?
00:41:27: Weil kein Mensch, kein Forscher, keine Forscherin hat es jemals auf der Erde geschafft, Leben außen nichts zu erzeugen.
00:41:34: noch nie!
00:41:35: Das heißt, wir wissen überhaupt nicht wie dieser Übergang stattfindet.
00:41:38: Ob der...wie wahrscheinlich er ist?
00:41:40: Wir wissen nur es offenbar.
00:41:41: einmal ist das passiert, sonst wären wir nicht hier.
00:41:44: aber wie wahrscheinlich ist das wenn wir rausfinden würden dadurch dass wir diese Bausteine analysieren?
00:41:50: wenn wir heraus finden würden ah ja das kann ja relativ einfach passieren dann würde das schon mal bedeuten ja wahrscheinlich ist da draußen noch öfter mal passiert.
00:41:58: d.h.
00:41:59: solche Überlegungen können wir anstellen an dieses Wasser rankommen.
00:42:03: Deswegen wollen wir übrigens auch zum Mond Südpol, das ging in der Apollo-Zeit noch nicht technologisch da waren die Raumschiffe noch nicht gut genug.
00:42:10: jetzt sind sie das?
00:42:10: Jetzt können wir zum Mond südpol und jetzt können wir vielleicht an dieses wasser ran.
00:42:14: Da ist das Wasser am Südpool
00:42:15: Genau!
00:42:15: Das ist nur am Süddpol oder an den Polregionen weil es da Krater gibt deren inneres nie von der Sonne beschienen wird.
00:42:24: Auf dem Mondsüdpol ist das so ähnlich wie auf dem Erdsüdpol.
00:42:27: da steht die Sonne sehr flach Und die steht nie oben am Himmel.
00:42:31: Und das heißt, wenn man ein tiefes Krater hat dann kommt da nie sonnendlich rein und dadurch bleibt er so kalt nahe am absoluten Nullpunkt also unter minus zweieinhalb Grad.
00:42:41: Und dadurch bleibt dieses Wasser da bestehen, dass seit Jahrmilliarden sich da sammelt.
00:42:44: Das ist eines der wertvollsten wissenschaftlichen Archive die man sich nur so vorstellen kann.
00:42:50: Ich könnte dir stundenlang zuhören und ich komme langsam glaube ich so ein bisschen vom Mitwissen zum Verstehen.
00:42:57: Tolles Bild was du geprägt hast.
00:42:59: Trotzdem am Ende noch mal einen kurzer Blick auf ein anderes Thema, weil wir haben ja über die ISS gesprochen.
00:43:05: Die ISS gibt es aber wahrscheinlich nur noch bis zum Jahr- und Jahrzehnte, glaube ich?
00:43:09: Dann wird sie wahrscheinlich abstürzen oder?
00:43:11: Ja vielleicht im
00:43:12: Jahr-und Jahrzehn-Jahrzehnt.
00:43:14: Abstürzen ist auch das falsche Wort.
00:43:17: wird sehr kontrolliert ablaufen.
00:43:18: Also
00:43:19: keiner kriegt sie auf den Kopf?
00:43:20: Nein,
00:43:21: wenn dann schieben wir die ganz kontrolliert in die Erdatmosphäre zurück damit die dann im Südpazifik ganz weit weg von irgendwelchen Städten Inseln sonst was verbrennt.
00:43:32: Gut, Häckchen dran!
00:43:33: Die Raumfahrt verändert sich... Früher waren es eher staatliche Agenturen, NASA, ESA und andere.
00:43:39: Jetzt kommen immer stärker privatwirtschaftliche Akteure auf den Markt.
00:43:43: gerade vor wenigen Tagen ist SpaceX an die Börse gegangen das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk.
00:43:48: Jeff Bezos der MSN Gründer hat mit Blue Origin auch ein großes Unternehmen.
00:43:52: Wie schaust du da drauf?
00:43:54: Ist das die Kommerzialisierung der Raumfahrts weil dann irgendwelche reichen Touristen davon oben Instagram Selfies machen?
00:44:01: oder liegt da auch eine Chance drin in diesem Veränderungsprozess?
00:44:04: Ja, das ist auf jeden Fall die neue Realität.
00:44:06: Dass der Erdorbit plötzlich zum Wirtschaftsraum auch geworden ist, dass es nicht mehr nur Akteure gibt wie die ESA und NASA, die das Zeug haben dazu zu agieren, sondern auch kleinere Länder, auch inzwischen einzelne Firmen wie SpaceX, die dann Raumschiffe haben, die da agieren können... Da gibt's ganz viele Anwendungen!
00:44:26: Space Tourismus wird immer zitiert.
00:44:27: Ehrlich gesagt, das ist gar nicht so.
00:44:28: ein riesiger Markt im Moment noch einfach weil es noch zu teuer ist und es wahrscheinlich nicht genügend Milliardäre gibt die sich das so wünschen finde ich persönlich jetzt auch nicht schlimm.
00:44:40: aber es gibt ganz viele andere Anwendungen die viel besser sind.
00:44:43: also dass Firmen zum Beispiel Medizin Produkte da oben herstellen wollen die Forschung betreiben die vielleicht Menschen die eine künstliche Niere brauchen den Parzellen entnehmen können Weltraum züchten können und wieder mit zurückbringen, die wird dann nicht abgestoßen.
00:44:59: Dass man neue Materialien da oben herstellen kann im drei D-Druck, dass man bessere Halbleiter züchtern kann.
00:45:06: Wir selbst haben auf der Raumstation Krebstumore erforscht, die in der Schwerenlosigkeit dreidimensional wachsen, das ist sehr viel besser...
00:45:15: Weil sie keinen Druck haben?
00:45:16: Ja genau!
00:45:17: Die wachsen dann nicht jetzt wie im Labor, in einer Petrischale wo sich so zweidimitional scheibenförmig wachsen.
00:45:23: In der Schwierelosigkeit wachsen kugelförmiger und sehr viel ähnlicher wie in einem Körperwachsen.
00:45:30: Und das heißt, wenn wir dort die dann züchten und dann Medikamente an den Testen, Anti-Krebsmedikamente, dann ist das viel realistischer.
00:45:37: Das heißt, wir können Krebs besser bekämpfen dadurch dass wir in der Schwerelosigkeit Tumore züchten.
00:45:43: Nur ein Beispiel von ganz vielen, wir haben auch... Wir bekämpften auch Alzheimer Parkinson, die wir da besser verstehen können Weil die es sind auch Krankheiten, die mit Kristallen zu tun haben.
00:45:53: Die im Gehirn wachsen, die können wir auf der Raumstation besser züchten.
00:45:57: Solche Dinge das findet statt und bisher haben wir das von der ESA gemacht.
00:46:01: aber jetzt gibt's auch viele Firmen, die Interesse daran haben das privatwirtschaftlich zu machen und denen wollen wir helfen dadurch dass wir Unternehmen unterstützen die private Raumstationen hoch bringen wollen.
00:46:11: da gibt es einige die das machen wollen auch aus Europa.
00:46:15: Zum Beispiel Starlab ist eine kommerzielle Raumstation, die geplant ist.
00:46:19: Den wollen wir helfen dass wir da als Ankerkunde auftreten das wir denen auch so ein bisschen Know-how übermitteln und dass die dann aber auf eigenen Beinen stehen dieses Feld des niedrigen Erdorbits bewirtschaften können und alleine das machen können während wir als Weltraumagentur wieder die großen Projekte weiter angehen um weiter raus zu fliegen eben in Richtung Mond.
00:46:42: Faszinierend, fasziniert.
00:46:44: Ich wiederhole mich, ich könnte stundenlang zuhören aber wir sind jetzt langsam am Ende dieses Podcasts.
00:46:48: wie immer in diesem Format gibt es am ende noch die Gelegenheit von paar kurze Fragen mit der Bitte um kurze Antworten.
00:46:54: welches ist dein Lieblingsplanet oder Stern?
00:46:57: Die Erde!
00:46:59: Ja auf jeden Fall.
00:47:00: wenn man ein Jahr lang außerhalb davon verbracht hat und das alles vermisst hat ... was man hier unten hat, was hier so kostenlos verfügbar ist.
00:47:09: Sei einfach rausgehen und durchatmen.
00:47:11: Wenn man mal nur in der Raumstation atmen konnte oder im Raumanzug... ...und sich die Luft mitbringen musste dann weiß man das zu schätzen.
00:47:21: Die Leute lachen immer bei mir mich aber tatsächlich ist es so.
00:47:23: ich mag inzwischen auch so November-Nieselregenwetter also ich lieb dass da draußen...
00:47:27: Ja gibt's auf dem Mond nicht?
00:47:29: Ja
00:47:29: genau!
00:47:30: Oder das Rauschen vom Meer am Strand die einen Wald wieder riecht.
00:47:38: Solche Dinge, die vermisst waren und das ist so ein tollen Planeten wie die Erde kennen wir nicht.
00:47:44: nochmal.
00:47:45: Wie sehr wünschst du dir dass du einer derjenigen bist die auf den Mond kommen?
00:47:50: Ja, also persönlich würde ich mir das schon, weil ich bin Entdecker.
00:47:52: Das wird mir sehr viel Spaß machen so ein bisschen meine vorherige Karriere als Geophysiker, als Geologe dort fortzusetzen.
00:47:58: aber letztendlich geht es nicht um mich Es geht um Europa und Deutschland dass wir dabei sind dass wir diese Perspektive mitnehmen Diese Entwicklung, die ohne uns auch stattfinden wird.
00:48:09: Dass wir die nicht einfach so passieren lassen dass wir selbst mit dabei sind und das wir ein bisschen was von der Inspiration auch der nächsten Generationen mitbringen können.
00:48:17: Dass man... dass wir der nächste Generation zeigen hey!
00:48:20: Auch wenn ihr in Deutschland aufwachst könnt ihr auch Astronautin oder Ingenieurin oder Techniker oder Wissenschaftlerin werden Und ihr müsst jetzt nicht irgendwie über einen großen Teich ziehen um eure Träume zu verwirklichen.
00:48:31: Das ist eine wichtige wichtige Sache und tatsächlich ist ja so die halbe Raumschiff das zum Mond fliegt in Deutschland gebaut.
00:48:38: Was ist das Schönste auf der Erde, dass es im All nicht gibt?
00:48:40: Ich glaube das was ich gerade schon gesagt habe, dass man draußen sein kann die Natur erleben kann ohne dass man irgendwas braucht und einfach so rausgehen kann und Zeit mit Freunden, mit Familie zu verbringen all das was wir jetzt hier als selbstverständlich ansehen.
00:49:00: Das merkt man wie wertvoll das ist wenn man mal eine Weile lang nicht hat.
00:49:03: Du bist gerade fünftig geworden.
00:49:04: Wie hältst du dich fit?
00:49:07: Sport.
00:49:07: Welchen Sport?
00:49:08: Über unterschiedlich, also so geht zweimal die Woche in die Dürme, geh ab und zu mal zwischendurch noch laufen.
00:49:16: So oft ich kann leider nicht immer genügend Zeit.
00:49:19: Ich halte mich mental fit, dass ich ab und zumal in die Berge gehe wandern.
00:49:23: Ich bin Gleitschirmflieger, ich lieb das einfach draußen mit meinem Gleitschirm zwischen den Bergen hin und her zu fliegen und ein bisschen Zeit für mich damit zu haben.
00:49:30: Ich verbringe Zeit mit meiner Familie – das hält mich fit!
00:49:34: Also alles Dinge, die einen mental so ein bisschen rausbringen.
00:49:38: Klingt sehr gut und Perspektivwechsel.
00:49:41: Und meine letzte Frage, wenn du mal auf die gegenwärtige Lage des Landes schaust?
00:49:45: Du hättest einen Wunsch frei was wäre das?
00:49:48: Ich würde sagen ein bisschen mehr Optimismus und mehr Wohlwollen und Konstruktivität
00:50:00: Klingt sehr gut und ehrlich gesagt, das hat man dir heute auch angehört bei diesem Podcast.
00:50:04: Alexander Gerst vielen herzlichen Dank für all die Erzählungen für deine Zeit.
00:50:08: Ja danke fürs Gespräch, hat echt Spaß gemacht!
00:50:16: Auch Ihnen lieber Hürren und Hörer, herzliche Dank, ja Zuschauer sage ich auch weil das ist ein Videopodcast... Wir haben interessante Einblicke bekommen, nicht nur in die Welt der Raumfahrt sondern auch in diese Situation hier unten auf diesem kostbaren Planeten.
00:50:29: Auf dem wir uns bewegen!
00:50:30: Ich hoffe Ihnen hat dieses Gespräch ebenso gefallen wie mir.
00:50:34: Abonnieren Sie gerne diesen Podcast,
00:50:36: sie können
00:50:36: ihn auch weiter empfehlen.
00:50:37: Sie können uns eine Nachricht schreiben an podcasts at t-online.de.
00:50:42: Da schauen wir dann rein.
00:50:44: Zur Redaktion dieses Podcasts gehören Christine Brauer, Viola Kögst und Michaela Fischer Produktionen Marketing über Namen Arno Wölk.
00:50:52: Ich bin Florian Harms und verabschiede mich bis zur nächsten Folge von vorangedacht.
00:50:57: Tschüss und bleiben Sie uns gewogen!